Was versteht man unter Selbstversorgung?

Laut Wikipedia spricht man Im ökonomischen Sinne von Selbstversorgung, wenn sich Menschen die materiellen Bedürfnisse des täglichen Lebens (Essen, Trinken, Wohnen etc.) zu einem großen Teil selbst erschaffen und nicht nur auf die im Markt angebotenen Produkte zurückgreifen. Dies betrifft insbesondere den Eigenanbau und die Herstellung von Lebensmitteln und Konserven sowie Gebrauchsgegenständen aller Art.

selbstversorgung

 

Der Wunsch etwas anders leben zu wollen und sich dem ständig wachsenden Konsumverhalten nicht mehr anzupassen waren die Motivation unsere Lebensweise Stück für Stück zu verändern.

Beruflicher Stress und der damit einhergehende Zeitmangel ließ uns anfangs noch auf gewisse Produkte der Nahrungsmittelindustrie, zurückgreifen. Nach der Geburt unserer Tochter 1994 wurden wir jedoch zum ersten Mal bewusst mit „Bionahrung“ konfrontiert. Unser Kind vertrug normale Babynahrung nicht und musste hypoallergen ernährt werden. Als die Zeit für sie kam, feste Nahrung zu essen, machte uns der Kinderarzt darauf aufmerksam, dass es gesünder und besser wäre, keine vorgefertigte Babynahrung zu kaufen, sondern kindgerecht, vitaminreich und frisch, selbst zu kochen. So wie wir unser Kind ganz bewusst ernährten, veränderte sich auch unsere Sicht hinsichtlich bestimmter Lebensmittel, Produkte und Inhaltsstoffe.

Wir hatten anfangs nicht die große Ahnung von Gemüseanbau, sicher unsere Eltern hatten auch Gemüsegärten, aber zum einen völlig andere Anbaumethoden und zum Anderen wenig Interesse an unserer Mitarbeit. Als Greenhörner haben wir uns den Herausforderungen eines Gemüsegartens gestellt und erzielten sofort erstaunlich gute Ernteergebnise. Seit vielen Jahren spielen wir nun schon nicht mehr in der gängigen Konsumgesellschaft mit und ernähren uns schon sehr weitgehend autonom.

Viele Gemüsesorten und Obst werden eingefroren, getrocknet oder eingekocht. Frisches Obst und Gemüse gibt es nur zu der normalen Wachstumssaison. Bananen und Südfrüchte mal ausgeschlossen. Aber Erdbeeren im Dezember hat die Natur für unsere Breitengrade einfach nicht vorgesehen, wir freuen uns dafür auf die Erdbeerzeit im Juni.

Viele sehen heute noch in Selbstversorgern Freaks, die sich dem Fortschritt, dem Wirtschaftszeitalter und der Realität verweigern. Es klingt für viele zwanghaft danach, alles selbermachen zu wollen und zu müssen. Verzicht auf bewährten Lebensstandart und auf die bequemen Annehmlichkeiten des modernen Lebens, Rückschritt in ein nicht so hoch technisiertes Zeitalter.
Doch uns stellt sich die Frage, wieso machen sich manche Menschen so intensive Gedanken um ihr Auto, was ihm gut tut, welcher Sprit der richtige ist. Super, etc. Bei der Nahrungsaufnahme sind sie jedoch viel weniger kritisch und muten dem eigenen Körper ungesündere Sachen zu als dem Auto. Läuft das SO richtig?

 

Also back to the roots?

neandertaler
Ganz im Gegenteil, Selbstversorgung ist der Weg zu einem autarken Leben mit mehr Eigenverantwortlichkeit. Unabhängig von den Versprechungen der Werbeindustrie.
Es bereichert unser Leben und wertet es auf, vor allem die Nahrung die wir zu uns nehmen. Selbstversorgung definiere ich nicht nach strikten Regeln, es kann sich dabei um den Gemüse und Obstaustausch unter Nachbarn, über den Gartenzaun handeln. Ebenso um den energiebewussten Bürger der auf seinem Haus Photovoltaik und Sonnenkollektoren anbringt um sich von den Energieanbietern unabhängiger zu machen. Es kann der Nachbar sein, der sein Holz im Wald schlägt um seinen Kamin zu beheizen. Es kann die Oma sein, die Strümpfe strickt, der Kleintierhalter der lieber die Eier seiner eigenen Hühner isst oder z.B meine Schwiegereltern, die Jahrzente mit ihren Stallhasen, den Speiseplan aufgewertet haben. Wir müssen aber nicht mehr mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen. Wir streben auch keine 100%ige Selbstversorgung an. Wir werden aufgrund der Umstände selbst kein Vieh halten und kein Getreide anbauen, Kleidung werden wir auch weiterhin kaufen. Aber wir erweitern unser Spektrum und dies, man mag es kaum glauben, – freillig und ohne jeden Zwang.

Leben als Selbstversorger, muss das sein?

Natürlich nicht, wir bekommen in unserem industriealisiertem Zeitalter alles zu jeder Jahreszeit, direkt im Supermarkt vor der Türe. Die Frage stellt sich vielmehr, wollen wir als Selbstversorger leben? Und hier kann ich die Frage für unsere Familie mit einem klaren JA beantworten.Selbstversorgung hat einen Anfang, aber kein Ende, jeder kann sie so gestalten wie er möchte um sein Leben aufzuwerten und zu bereichern. Jede Maßnahme, sich das eigene Leben wieder zurück zu holen aus der Fremdbestimmung von industrieller Produktion, bringt uns ein Stück Lebensqualtät und Autonomie zurück. Wir verzichten auf nichts, aber wir haben sehr viel durch unser neues, anderes Leben gewonnen..

Wie wird man denn zum Selbstversorger?

Bestimmt gibt es auch Menschen die sich plötzlich aus rein rationalen Überlegungen dazu entschließen Selbstversorger zu sein. Ob und wie sie dieses durchhalten, sei dahingestellt. Bei uns war es ein sehr langer Entwicklungsprozess und jeder weitere Schritt in Richtung Selbstversorgung hat sich inzwischen manifestiert, so dass ein „zurück“ für die ganze Familie, undenkbar ist. Der Wunsch etwas anders leben zu wollen und sich dem ständig wachsenden Konsumverhalten nicht mehr anzupassen waren die Motivation unsere Lebensweise Stück für Stück zu verändern.
Liebe zur Natur, Kreativität und Freude an körperlicher Arbeit sollten Voraussetzungen sein. Wer nur ungerne kocht und bäckt wird wenig Freude an der Verarbeitung eigener Ernten haben.
Mein Drang, zu wissen, wie Dinge entstehen, hergestellt werden, ist recht groß und aus dieser Neugierde entwickelte sich auch diese Lebensgestaltung. Selbstgemachte Marmelade auf frischem selbstgebackenen Brot oder Brötchen sind ein großer Genuß. Milch holen wir mit der Milchkanne vom Bauern, ebenso die Eier. Mit Milch lassen sich Quark, Joghurt, Dickmilch, Buttermilch, Butter und eine Vielzahl köstlicher Käse ohne Hexenkraft und großen Aufwand, selbst herstellen. Mit Getreidearten aller Art werden wir von einem Bioland Hof ganz in der Nähe versorgt. Dinkel, Weizen, Kamut, Einkorm, Emmer, Roggen und Grünkern gehören zu unserem Standartsortiment.

Erinnern sie sich an die Gammelfleischskandale 2010? Eine Freundin von uns war Staatsanwältin in einem der großen Verfahren. Sie erzählte uns von einigen der Machenschaften und Tricks dieser Großmetzgereien. Da wird ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Verbraucher gelogen und betrogen. Keine Frage, ich habe Vertrauen in unsere örtlichen Metzger, sie sind verantwortungsbewusst und ehrlich und die fränkische Wurst sowieso eine der Besten, aber wissen wir immer was in den Würsten diverser Supermarktketten enthalten ist? Wollen wir es überhaupt wissen?

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Dieser Besuch war ein weiteres Schlüsselerlebnis für uns und ich fing an mich in die Materie der Wurstherstellung einzulesen und einzuarbeiten. Wir essen recht wenig Fleisch und Wurst, doch diese stellen wir seit dem auch fast komplett, selbst her.  Würstchen, Brühwurst, Weißwürste, Fleischkäse, Mettwurst, Teewurst, Rindfleischwurst, gekochten Schinken und Räucherfleisch, Lachsschinken, Bratwürste, sowie Speck, uvm. kommen aus unserer Herstellung.
Über eines muss man sich jedoch im Klaren sein, je größer der Bereich, den die Selbstversorgung umfasst, umso aufwändiger und arbeitsintensiver wird es. Für mich hat es sich fast zu einem Fulltimejob entwickelt.

Doch wer sich erst einmal daran gewöhnt hat, nur das zu essen, was aus dem eigenen Garten kommt, der wird sicher unter keinen Umständen wieder zur alten Lebensweise zurückkehren wollen.